Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Hier werden alle Themen rund um Köln behandelt.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Di 27. Okt 2015, 11:36

Simone Schüllner: Die Gartenkultur der Kartäuser unter besonderer Berücksichtigung der Kartausen im Rheinland (= Analecta Cartusiana. Bd. 303). Salzburg 2014.

Bei der reich illustrierten Arbeit handelt es sich um eine an der RWTH Aachen angefertigte Dissertation, die sich der Gartenkultur des Kartäuser-Ordens widmet. Gärten spielen in diesem Orden eine wichtige Rolle, weil der einzelne Mönch auf dem Klostergelände über ein eigenes kleines Häuschen mit Garten verfügt, der ihm im Sinne eines eremitischen Lebens trotz Anbindung an eine Klostergemeinschaft alleine zugänglich ist. So auch in der 1334 gegründeten und 1794 aufgehobenen Kölner Kartause St. Barbara in der Nähe der Ulrepforte, die auf S. 244-248 eingehend gewürdigt wird.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Schwintzer » Mi 28. Okt 2015, 16:09

Das Inhaltsverzeichnis dieser Publikation kann unter folgender URL eingesehen werden: http://digitool.hbz-nrw.de:1801/webclient/DeliveryManager?pid=6068139&custom_att_2=simple_viewer
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Di 17. Nov 2015, 08:07

Bernhard Sicken: Militärische Notwendigkeit und soziale Diskriminierung: Zur Ausweisung von Einwohnern aus preußischen Festungsstädten bei drohender Invasion (1830/31-1870/71). In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 74 (2015), S. 97-126.

Bernhard Sicken greift in diesem Aufsatz ein bislang wenig behandeltes Thema der preußischen Geschichte des 19. Jahrhunderts auf: die militärischen Vorbereitungen auf eine mögliche Belagerung von Festungsstädten im Hinblick auf den Verbleib der Zivilbevölkerung. Diese wäre nicht allein durch die Kampfhandlungen gefährdet gewesen, sondern wurde aus militärischer Sicht auch als Belastung wahrgenommen, hätte man sie doch neben den Truppen versorgen müssen. Auch war man sich nicht immer sicher, wie sich die Bevölkerung verhalten würde und ob sie etwa durch Proteste u.ä. auf eine schnellere Übergabe der Festung drängen würde. Spätestens an dieser Stelle kamen Überlegungen über die politische "Zuverlässigkeit" gerade ärmerer Schichten hinzu, die nicht unbedingt als gegeben angesehen werden konnte. Die Lösung wurde in einer Ausweisung von Teilen der Bevölkerung gesehen, die die jeweilige Festung kurz vor Beginn einer Belagerung verlassen sollten. Ein wesentlicher Gesichtspunkt bei der Auswahl der Auszuweisenden war die Frage, ob sich die Menschen während einer Belagerung selbst versorgen und dazu im Vorfeld Vorräte anlegen konnten. Die Ausweisungen hätten daher hauptsächlich den ärmeren Teil der Bürgerschaft betroffen. Das Los dieser Menschen wäre vermutlich alles andere als günstig gewesen, denn die staatlichen Stellen lehnten eine Versorgung dieser Evakuierten zumeist ab, weil soziale Zuwendungen eine kommunale Aufgabe sei. Die mit der potentiellen Aufnahme von hunderten oder tausenden von Menschen konfrontierten Kommunen im Um- und Hinterland der Festungen sahen dies naturgemäß anders (tempora non mutantur). Von einer geordneten Vorsorge für die Aufnahme der Ausgewiesenen konnte daher keine Rede sein. Glücklicherweise musste allerdings niemals die Probe aufs Exempel gemacht werden, weil es in den Kriegen des 19. Jahrhunderts zu keiner Einschließung einer preußischen Festung kam. Die praktische Unmöglichkeit, in Kriegszeiten kurzfristig eine Evakuierung großer Menschenmassen zu organisieren, wurde zwar den handelnden Personen mehr und mehr klar, so dass der Gedanke der Ausweisung Ende des 19. Jahrhunderts an Unterstützung verlor. Jedoch blieb den Festungskommandanten im Kriegsfall der Handlungsspielraum, selbst über diese Frage zu entscheiden.

Köln als eine bedeutende Festungsstadt war von all dem direkt betroffen. 1830/31 wurde die Ausweisung von etwa 15.000-18.000 Einwohnern geplant, 1859 die von 40.000, 1866 die von 60.000-80.000, und 1870 wurde die 100.000er-Marke erreicht. Das Steigen dieser Zahlen erklärt sich nicht allein durch den Bevölkerungsanstieg: 1830/31 wären 22-27% der Bevölkerung betroffen gewesen, 1859 schon 34-35% und 1870 sogar 75% (unter Einschluss von Deutz). Die Definition der Teile der Bevölkerung, die als nicht-selbstversorgungsfähige und potentiell unzuverlässige Unterschicht galt, wurde also immer mehr und schließlich auch auf Teile einer Mittelschicht ausgeweitet.

Sicken hat diese Fragen anhand von staatlichen Quellen untersucht. Interessant wäre es sicher, die kommunale Seite hinzuzunehmen und zu untersuchen, nach welchen Kriterien genau die Ausweisung geplant wurde und welche zusätzlichen, nicht-militärischen Erwägungen hierbei eine Rolle spielten. Allerdings hatten die örtlichen Stellen den Auftrag, die entsprechenden Planungen und Vorbereitungen möglichst diskret durchzuführen, um die Bevölkerung nicht zu verunsichern. Entsprechende Quellen aus der Stadtverwaltung und aus Nachlässen dürften damit nicht leicht zu finden sein. Lohnend wäre die Suche nach ihnen aber sicher.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Mo 30. Nov 2015, 15:01

Yvonne Bergerfurth: "Sodalitäten" und "Gesellschaften". Jesuitisches Semireligiosentum in Köln. In: Anne Conrad (Hrsg.): Welt-geistliche Frauen in der Frühen Neuzeit. Studien zum weiblichen Semireligiosentum. Münster 2013, S. 117-140.

Die Verfasserin umreisst in diesem Aufsatz Quellenlage und Forschungsmöglichkeiten zu den mit dem Kölner Jesuitenkolleg verbundenen Sodalitäten und Bruderschaften. Sie weist damit auf ein für die Untersuchung der Kölner Frömmigkeit in den nachreformatorischen Jahrhunderten wichtiges Feld hin.

An einer Stelle ist ihr allerdings zu widersprechen: Sie geht davon aus, dass es zur Achatiusbruderschaft der Goldschmiede keine Quellen gäbe, die über inneres Leben und Mitgliederbestand Auskunft geben (S. 122). Dabei hat sie Best. 295 (GA) 2 übersehen. Das Buch enthält u.a. die Statuten der Bruderschaft und ein Mitgliederverzeichnis. Es konnte in diesem Jahr restauriert werden und steht der Benutzung zur Verfügung.

http://historischesarchivkoeln.de/de/le ... ft%3B+Stat
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Mi 30. Dez 2015, 17:03

Andreas Rutz (Hrsg.): Krieg und Kriegserfahrung im Westen des Reiches 1568-1714 (= Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit. Bd. 20). Göttingen 2016.

Der auf eine Bonner Tagung zurückgehende Sammelband vereinigt eine Reihe von Aufsätzen, die das kriegerische Geschehen im "eisernen", langen 17. Jahrhundert am Rhein beleuchten. Dabei geht es weniger um die militärischen Operationen und die politischen Hintergründe, als um die Kriegsfolgen, die Erfahrung des Krieges und die Verarbeitung dieser Erfahrungen.
Die Stadt Köln war von jedem Krieg im Rheinland direkt oder indirekt betroffen. Auch wenn sich kein Beitrag ausschließlich mit ihr befasst, ist doch der ganze Band eine anregende Lektüre für jeden, der sich mit der Stadtgeschichte des späten 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert beschäftigt.

Unmittelbar zur Kölner Geschichte schreiben Magnus Ressel (der u.a. die Korrespondenz der Stadt mit dem Herzog von Alba in den Spanischen Niederlanden 1567-1573 auswertet) sowie Matthias Asche, Susanne Häcker und Patrick Schiele (die die Universitäten am Rhein während des 30jährigen Krieges untersuchen). Guido von Büren und Marc Gellert bieten eine Bestandsaufnahme der Festungen im nördlichen Rheinland im 17. Jahrhundert, zu denen auch Köln zählte.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Mi 24. Feb 2016, 16:39

Michael Adlung: Neue Quellenerschließung über Ort, Gefechtsverlauf und Folgen der Zerschlagung eines hessischen Versorgungszuges für die Festung Ehrenbreitstein durch Jan von Werth im Jahr 1637. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 41 (2015), S. 145-169.

Der Aufsatz behandelt ein Thema, das mittelbar der Kölner Geschichte zuzurechnen ist: 1637 wurde der General Jan von Werth zum Kölschen Helden, weil er die Festung Koblenz-Ehrenbreitstein von den Franzosen zurückeroberte und damit - aus Kölner Sicht - die Gefahr einer Blockierung des Rheinhandels bannte. Adlung schildert quellennah eine Episode aus diesen Kämpfen.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Mi 2. Mär 2016, 08:17

Lageberichte rheinischer Gestapostellen. Band 3: Januar-März 1936. Bearbeitet von Anselm Faust, Bernd.-A. Rusinek und Burkhard Dietz (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, LXXXI). Düsseldorf 2016.

Mit dem dritten Band ist die Edition der Lageberichte der rheinischen Gestapostellen von 1934 bis 1936 nunmehr abgeschlossen, die die Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde seit den 1990er Jahren betrieben hat. Der Band enthält ein Gesamtregister, das allein zum Stichwort Köln deutlich mehr als eine Seite füllt. Hinzu kommen Einträge zu weiteren Köln-Betreffen wie Porz oder Konrad Adenauer. Insgesamt weist die Edition daher umfangreiches Material zur Geschichte Kölns in den ersten Jahren der NS-Herrschaft auf, bis 1936 die Berichterstattung eingestellt wurde. Ziel der Berichte war es, ein Stimmungsbild in der Bevölkerung zu zeichnen und insbesondere tatsächliche oder nur angenommene Gefährdungen der NS-Herrschaft durch widerständiges Verhalten oder Resistenz aufzuzeigen.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Di 3. Mai 2016, 12:43

Kathrin Kober: Der Kölner Residentenstreit um das exercitium religionis. Gesandtenrecht versus Staatskrichenrecht zu Anfang des 18. Jahrhunderts (= Rheinische Schriften zur Rechtsgeschichte. Bd. 21). Baden-Baden 2016.

Im Jahr 1708 kam es zu tumultartigen Szenen vor dem Hause des preußischen Residenten in Köln, das beinahe vom Mob gestürmt worden wäre (der in diesem Fall zu einem guten Teil aus Studenten bestand). Anlass war die Abhaltung reformierter Gottesdienste im Haus des Residenten, durch die sich die katholische Mehrheit in ihren Rechten bedroht sah. Der Preuße berief sich in dem Streit, der bald deutschlandweite Beachtung erfuhr, auf sein Recht als Diplomat, während die Stadt Köln eine Präzedenzfall befürchtete, der auf Dauer andere Bekenntnisse in der Stadt zu etablieren half. Kober untersucht den Gang der Auseinandersetzungen in rechtshistorischer Perspektive und kann damit zugleich wichtige Schlaglichter auf die konfessionelle Mentalität Kölns im 18. Jahrhundert werfen.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » So 14. Aug 2016, 12:00

Gabriele B. Clemens/ Melanie Jacobs: Fürstliches Mäzenatentum in Südwestdeutschland im 19. Jahrhundert. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 75 (2016), S. 171-192.

Der Aufsatz widmet sich Sammlungsstrategien südwestdeutscher adeliger Kunstsammler im 19. Jahrhundert und unterstreicht, dass diese neben bürgerlichen Mäzenen in dieser Zeit nach wie vor von hoher (und häufig unterschätzter) Bedeutung waren. In diesem Zusammenhang wird nebenher ein Seitenblick auf die Sammlung des Kölners Sulpiz Boisserée geworfen, die sich eine Zeit lang in Stuttgart befand, bevor sie nach München gelangte (S. 188-189).
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » So 18. Dez 2016, 18:22

Günther Schulz: Metropole in der Provinz. Köln und Preußen in der Weimarer Republik. In: Geschichte im Westen 31 (2016), S. 11-24.

Der Beitrag widmet sich einer schwierigen Epoche Kölner, rheinischer und deutscher Geschichte. Nicht nur der verlorene Krieg, politischer Neubeginn, Besatzungsherrschaft, soziale und wirtschaftliche Probleme beschäftigten die Kölner, die in der nach Berlin zweitgrößten preußischen Stadt lebten. Auch das Verhältnis der kommunalen Selbstverwaltung zur Zentrale stand zu Debatte - das Verhältnis der Rheinländer zu ihrem Staat -, und damit auch die Finanzierung öffentlicher Aufgaben.
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