"In der Kaygaß Numero Null..."

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"In der Kaygaß Numero Null..."

Beitragvon Schwintzer » Mi 11. Mär 2015, 10:01

Hat es die Schule in der Kaygasse und ihren Lehrer Welsch wirklich gegeben?

Die Kaygasse erhielt eine gewisse Berühmtheit durch das Karnevalslied „In der Kaygaß Numero Null", das von den „Drei Laachduve" verfaßt und 1938 zum ersten Mal gesungen wurde. Nach 1945 erlangte es durch die „Vier Botze" in leicht veränderter Fassung Popularität.[1]

Der Straßenname läßt sich auf eine mittelalterliche Familie Keige (auch Kaie und Keye) zurückführen. Mit dem Beginn der napoleonischen Herrschaft erhielten die Kölner Straßen französische Namen. Wallraff schlug für diese Straße „Rue de Crieurs" (Schreigasse) vor. Eine Schule an der Kaygasse hat es wirklich gegeben, denn in der Straße Großer Griechenmarkt 87 stand von 1891 bis 1939 eine Hilfsschule.

Eine Bronzeplatte an einem Wohnhaus erinnert daran, dass auch ein Sonderlehrer Welsch wirklich gelebt hat. Es war der am 29. Mai 1848 in Arzdorf (Gemeinde Wachtberg) in der heutigen Villiper Straße geborene Heinrich Welsch. Nach dem Besuch der Arzdorfer Volksschule wechselte er mit 13 Jahren auf die Rektorenschule in Meckenheim. Am Anfang seines beruflichen Werdegangs stand die Lehranstalt Koblenz und die 1868 in Brühl abgelegte Lehrerprüfung. Anschließend war er als Volksschullehrer und Privatlehrer bei Reichsfreiherr Leopold von Fürstenberg auf Schloss Körtlinghausen in Westfalen tätig. Seit 1877 unterrichtete er an Volksschulen in Worringen, Sülz und seit 1881 in Kalk. Hier wohnte er in der Nießenstraße 26. Am 18. August 1886 heiratete er die Lehrerin Katharina Zentner aus Klein-Villip. Zwischen 1893 und 1901 wurden dem Ehepaar fünf Kinder geboren. Im Jahre 1905 gründete er die erste Kölner Hilfsschule in dem damals gerade eingemeindeten Kalk und leitete die in der Hollweghstraße gelegene Schule als Rektor. Eine Verbindung zu der Hilfsschule Großer Griechenmarkt 87 ist jedoch nicht zu erkennen.

Ein Johann Josef Welsch ist von 1895 bis zu seinem Sterbejahr 1905 als Hauptlehrer und Rektor an der Katholischen Volksschule „Am Klingelpütz 1" nachzuweisen, kann aber nicht mit dem Hilfsschullehrer des Karnevalsliedes identisch sein. Heinrich Welsch starb 1935.[2]

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[1] Der Text des Liedes findet sich in: Helmut Signon. Alle Straßen führen durch Köln. Köln 1975, S. 127f.
[2] Vgl. B. Hausmanns, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2005.
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